ORF ReichelMit seinen unorthodoxen Auftritten im ORF hat Frank Stronach in den letzten Wochen für großen medialen Wirbel gesorgt. Bizarr, skurril oder lächerlich, so die Urteile der Mainstreamjournalisten.

Nach dem Wortgefecht zwischen ORF-Nachrichtensprecher Armin Wolf und Stronach in der ZiB2 spricht der linke Falter-Chefredakteur Armin Thurnher gar von einem „autoritären Fernsehauftritt“ des Neopolitikers. Die Journalisten übergießen Stronach mit Häme und Spott, stellen ihn als Witzfigur dar, führen ihn als senilen "Märchenonkel" und Möchtegern-Berlusconi vor. Die Zeitschrift News schreibt etwa: "Ist Frank Stronach der Sido der Innenpolitik? (…) Wie berechenbar ist der Milliardär noch?"

Ja, die Auftritte des 80jährigen muten tatsächlich seltsam an. Ja, Stronach hat viele Benimmregeln gebrochen. Doch er hat das nicht ohne Grund getan. Auffällig ist jedenfalls, dass genau jene Medien Stronachs Verhalten am heftigsten und am lautesten kritisierten, die primär dafür verantwortlich sind, dass Stronach im Fernsehen so agiert, wie er agiert.

Denn eines war Frank Stronach bzw. seinem Beraterteam von Anfang an klar: Wer nicht zur politisch korrekten Wir-Gruppe gehört, der wird von den linken Mainstreammedien und Journalisten mit Sicherheit nicht fair behandelt. Wer nicht mit den antikapitalistischen Umverteilern heult und die Macht der politisch korrekten Parteien gefährden oder schwächen könnte, der wird von den Journalisten nach allen Regeln der Kunst fertig gemacht.

Diese mediale Ungleichbehandlung der verschiedenen politischen Lager und Richtungen hat sich durch die jahrzehntelange Praxis in ORF und den meisten Printmedien in den Köpfen der heimischen Journalisten und der Rezipienten so festgefressen, dass sie von vielen als ganz normal und richtig empfunden wird, auch wenn sie allen journalistischen Grundregeln widerspricht. Während Journalisten (und rund zwei Drittel von ihnen bezeichnet sich laut repräsentativer Umfragen selbst als links) ihre Gesinnungsgenossen zumeist mit Samthandschuhen anfassen, werden all jene, die politisch rechts von Christoph Leitl oder Helmut Schüller stehen, stets medial vorgeführt. Jeder Auftritt und jedes Interview wird so zu einem Drahtseilakt für konservative oder liberale Politiker. Diese Ungleichbehandlung äußert sich auf vielfältige Weise:

Da gibt es etwa die äußerst plumpe aber sehr effektive selektive Auswahl von Politikerfotos. So wird man in linken Mainstreamblättern nie ein neutrales oder gar vorteilhaftes Foto von Maria Fekter oder Heinz Christian Strache finden. Von rechten oder konservativen Politkern (bzw. was Linke dafür halten) bekommt der gemeine Zeitungsleser ausschließlich sogenannte Meuchelfotos zu sehen, also Fotos auf denen die entsprechende Person möglichst unvorteilhaft abgebildet ist. Heimischer „Qualitätsjournalismus“ auf höchstem Niveau.

Ebenfalls nicht besonders subtil ist die Einladungspolitik des ORF. In den verschiedenen Diskussionsformaten sehen sich konservative Politiker und Experten stets einer Mehrheit an linken Diskutanten gegenüber. Dass dann auch noch dem Klassenfeind permanent das Wort abgeschnitten wird, ist ebenfalls Usus im Staatsfunk. Zum Standard-Repertoire des linken Durchschnittsjournalisten gehört zudem, dass bei nicht linientreuen Personen Antworten stets uminterpretiert, dass jedes Wort und jede Formulierung auf die politisch korrekte Goldwaage gelegt, dass Aussagen gerne aus dem Kontext gerissen werden usw. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Dass Skandale und Verfehlungen von liberalen oder konservativen Parteien und Institutionen medial stets riesengroß aufgeblasen werden, während man über die Machenschaften der linken Parteien meist dezent und zurückhaltend berichtet, versteht sich mittlerweile von selbst. Dies zeigt etwa der Umgang mit den Missbrauchsskandalen in den Heimen der Kirche und jenen der Stadt Wien. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Eines wissen jedenfalls alle nicht-linken Kräfte in diesem Land: Von den Mainstreammedien haben sie weder Objektivität noch einen fairen Umgang zu erwarten. Wie sie damit umgehen ist höchst unterschiedlich. Teile der ÖVP und Teile der Kirche sind dazu übergegangen, den Linken und den Medien nach dem Mund zu reden und ihre Grundsätze über Bord zu werfen. Eine Strategie, die sich als völlig untauglich erwiesen hat. Denn gerade wegen dieser knieweichen und nachgiebigen Haltung steht die Kirche permanent am moralischen Pranger. Die FPÖ versucht es mit einer Mischung aus zum Teil heftiger Kritik an den Medien und mit teilweiser Anpassung, was bisher auch keinen wirklichen Erfolg gebracht hat.

All das ist aber nichts Neues und seit langem bekannt, auch dem Team von Frank Stronach. Den letzten Zweifel dürfte ein irrtümlich vom ORF an Stronachs Pressesprecherin versandtes Mail beseitigt haben. Darin schrieb eine sichtlich empörte ORF-Redakteurin: „dass sie nichts davon halte, diesem Milliardär eine Bühne zu bieten“. Wer im gebührenfinanzierten Staatsfunk was sagen darf, das wollen offenbar viele ORF-Journalisten (als selbsternannte oberste moralischen Instanz dieses Landes) alleine bestimmen.

Auch die „Satire“ der beiden ORF-Komiker Stermann & Grissemann, in der Stronach – ohne jede Grundlage und ohne jeden Anlassfall – als primitiver Rassist dargestellt wurde, hat das Vertrauen in den Staatsfunk wohl auch nicht gerade gefördert.

Das manchmal eigenwillige Verhalten von Stronach gegenüber den linken Medien ist also durchaus nachvollziehbar (außer natürlich für die Journalisten selbst). Etwa wenn Stronach – wie international nicht unüblich – Interviews vor ihrem Abdruck bzw. ihrer Ausstrahlung autorisieren möchte. Der Neopolitiker weiß eben wie man durch Kürzen von Interviews Inhalte beeinflussen und neu gewichten kann. Das hat mehr mit Selbstschutz als mit Zensur zu tun, wie viele Medien empört gerufen hatten.

Aber ein solches Vorgehen verärgert natürlich die linken Medien. Deshalb greift man tief in die journalistische Trickkiste, um den bösen (neo)liberalen Milliardär anzupatzen. So versuchte etwa das Nachrichtenmagazin Profil aus einem ihm zuspielten internen Mail von Stronachs Partei einen Skandal zu inszenieren. Inhalt des Mails: „Wir gehen nur (mit Inseraten A.d.V.) in Medien, die uns freundlich gesinnt sind, und von denen auch eine positive Berichterstattung zu erwarten ist"

Was für ein Skandal! Da haben wir sie wieder, diese Doppelmoral. Natürlich inseriert keine Partei genau in jenen Medien, in denen sie besonders schlecht wegekommt. Was daran verwerflich sein soll, wissen wohl nur die linken Profilredakteure. Schließlich wird man eher selten ein Inserat der Grünen in der Furche finden, die FPÖ schaltet wiederum keine Anzeigen im Falter und der Umgang der SPÖ mit Inseraten und Medien ist ohnehin nicht ganz unproblematisch.

Auch der hysterische Aufschrei vieler Journalisten, als Stronach in einem TV-Interview in Italien sagte: „Ich muss mir die Medien kaufen, um dass ich zur Bevölkerung komme“ ist bezeichnend. Was Stronach in etwas holprigem Deutsch ausdrücken wollte, er müsse sogar dafür bezahlen, dass über ihn und seine politischen Ziele halbwegs objektiv berichtet wird. Dass die Mainstreammedien Stronach ähnlich zuvorkommend und freundlich behandeln wie etwa die Grünen, dazu reichen selbst die Milliarden des Austrokanadiers nicht aus.

Statt auf Stronach einzudreschen, sollten sich die heimische Journalisten vielleicht etwas in Selbstkritik üben und über ihn und seine Politik etwas weniger aufgeregt und etwas kompetenter berichten. Zumal die permanente Skandalisierung und die substanzlosen persönlichen Angriffe die Österreicher zunehmend abstoßen. Aber das ist wohl etwas zu viel verlangt.

 

Werner Reichel ist Autor, Journalist, Radiomacher und Lektor an der FH für Journalismus und Medienmanagement in Wien. Im Deutschen Wissenschaftsverlag ist im Juni 2012 sein Buch "Die roten Meinungsmacher – SPÖ-Rundfunkpolitik von 1945 bis heute" erschienen.

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