Tax CollectorsVor einigen Jahren landete der Vordenker des „Anarchokapitalismus“, Hans-Hermann Hoppe, mit seinem Buch „Demokratie, der Gott der keiner ist“ einen beachtlichen Publikumserfolg. Nun legt er mit „Der Wettbewerb der Gauner – Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft“ erneut ein Werk vor, das mit dem System des demokratischen Staates radikal abrechnet.

Der Ökonom und Banker Thorsten Polleit bringt in seinem Vorwort Hoppes kritische Analyse auf den Punkt: „Der demokratische Staat (…) zerstört die produktive und kooperative soziale Ordnung“. Er „…verursacht Wohlstandverluste und führt in die Ent-Zivilisierung.“

Gestützt auf die von John Locke 1689 in seinen „Two Treteases of Government“ formulierten Gedanken zum rechtmäßigen Eigentumserwerb, baut Hoppe seine Attacke auf den Staat auf, den er als „territorialen Machtmonopolisten mit dem Recht zur Letztentscheidung in Konfliktfällen - einschließlich derer, in denen er selbst Partei ist“, definiert, der zudem „mit dem Privileg ausgestattet ist, Steuern zu erheben“.

Zunächst rechnet er mit den Intellektuellen ab, die er der Korruption und der Apologie des Leviathans beschuldigt. Beinahe alle Personen dieser Gruppe leben von Mitteln, die der Staat im Wege der Besteuerung produktiv tätigen Menschen abpresst. Kaum einer von ihnen ist genötigt, seine Leistungen unter Marktbedingungen anzubieten. Entsprechend wenig überrascht es, dass diese privilegierte Kaste unentwegt das Hohelied des Staates singt und hohe Steuern als Ausweis einer hochstehenden Kultur preist.

Danach kritisiert Hoppe den „Wettbewerb der schlechten Menschen“. Monopole sind aus Sicht des Konsumenten abzulehnen. Monopolisten bieten schlechtere Dienste zu höheren Preisen an, als sie es unter Wettbewerbsbedingungen  tun würden. Während aber ein unter Güterproduzenten herrschender Wettbewerb dem Konsumenten zum Vorteil gereicht, ist ein Wettbewerb unter Gewalttätern, den derjenige gewinnt, der am brutalsten und rücksichtslosesten agiert, dem Bürger nicht zuträglich. Der Staat als Stehler und Hehler wird nicht besser, wenn aus einer Konkurrenz jener Individuen, die sich um seine Führung bewerben, am Ende die Niederträchtigsten erfolgreich hervorgehen.

Im nächsten Kapitel analysiert der Autor die im demokratischen Staat wirkenden Dynamiken. Er kommt zum Schluß, daß Demokratie und Unverletzlichkeit privaten Eigentums unvereinbar sind. Daß die Schweiz relativ besser dasteht, als ihre Nachbarn, führt Hoppe auf deren Kleinräumigkeit und die Dezentralisierung der politischen Entscheidungen zurück. Kleinräumige Strukturen begünstigen die Achtung von Individualrechten, weil hier eine „Abstimmung mit den Füßen“ leichter fällt. Die politische Führung eines Kleinstaates muß ihre Ausbeutungs- und Regulierungsaktivitäten daher stärker zügeln als jene eines Imperiums.

In der Folge widmet sich Hoppe der Frage „Warum der Staat die Kontrolle über das Geld und das Bankwesen beansprucht“. Das Teilreservesystem der Geschäftsbanken, hat den Traum der mittelalterlichen Alchemisten wahr werden lassen: Etwas aus Nichts zu schaffen. Besonders die Vergabe von aus dem Nichts geschaffenen Krediten – ohne dafür Mittel dem Konsum entziehen - also sparen - zu müssen, schafft die Grundlage für jenen Konjunkturzyklus, der in einer dem künstlich entfachten Boom folgenden Rezession sein logisches Ende findet.

Ohne Diskriminierung, also das Recht zur Unterscheidung, hat kein Eigentumsrecht Bestand. Das Eigentumsrecht aber bildet die Basis jeden zivilisatorischen Fortschritts. Im Dualismus von öffentlichem und privatem Recht, der sich mehr und mehr zugunsten des ersteren verschiebt, manifestieren sich jene Privilegien, die Staatsagenten gegenüber Normalsterblichen genießen.

Statt Konflikte zu lösen, werden diese von staatlichen Ordnungen geschürt. Abschließend stellt Hoppe daher jene Privatrechtsordnung vor, die er als Alternative zum Weg ins Chaos aufzeigt, zu dem staatliche Ordnungen führen. An die Stelle eines „vertragslosen Zustandes“ zwischen Beschützer und Beschützten, wie er für staatliche Systeme typisch ist, tritt ein System von mit privaten Rechts- und Sicherheitsanbietern abgeschlossenen Verträgen, das dem Bürger klar definierte Rechte und Leistungen garantiert.

Während Staaten zur Aggression neigen, da sie deren Kosten ungestraft auf die Steuerzahler abwälzen können, sind private Sicherheitsanbieter sehr auf Ruhe und Frieden bedacht, da sie die mit jeder Aggression verbunden Kosten zu vermeiden trachten.

Wer eine Kritik an der unwidersprochen behaupteten Überlegenheit unseres politischen Systems sucht, findet diese im vorliegenden Buch kurzweilig präsentiert vor.

 

Hans-Hermann Hoppe. Der Wettbewerb der Gauner.
Holzinger-Verlag 2012.
90 Seiten.
ISBN-10: 926396-58-X. € 12,-.

 

Andreas Tögel ist Kaufmann in Wien

Go to Top
Template by JoomlaShine